Die Überlebenden von Alex Schulman

Tragisches Familienschicksal

Buchcover Die Überlebenden von Alex Schulman
Die Überlebenden

Vorbemerkung

Dieser Debütroman hat mich sehr bewegt und eine Reihe unterschiedlichster Emotionen in mir hervorgerufen. Ich habe versucht, all das in Worte zu fassen, ohne zu spoilern, aber ganz lässt es sich nicht vermeiden.

Im Übrigen wäre in diesem Buch vermutlich auch eine Trigger-Warnung angebracht. Allerdings würde diese meines Erachtens zu viel vorweg nehmen und besonders das völlig überraschende Ende ein Stück weit zerstören.

Inhalt

Die drei Brüder Benjamin, Pierre und Nils verbringen in ihrer Kindheit die Sommerzeit regelmäßig zusammen mit ihren Eltern in einem Holzhaus am See. Sie leben dort abgeschieden in der rauen Natur Skandinaviens. Auch wenn sie hier ein relativ freies Leben führen, ist ihr Leben doch alles andere als einfach.

Nach vielen Jahren kehren sie als erwachsene Männer an diesen Ort zurück, um hier die Asche ihrer Mutter zu verstreuen. Das zwingt sie dazu, der Vergangenheit und der Realität ins Gesicht zu schauen und lange Unausgesprochenes zu klären.

Meine Meinung

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen befinden wir uns im Hier und Jetzt, dem Tag der Beisetzung der Mutter. Dabei wird dieser Tag rückwärts erzählt. Er beginnt um Mitternacht und das Geschehene geht im 2-Stunden-Takt rückwärts zum Tagesanfang. Die zweite Ebene sind Rückblicke und Erinnerungen aus früherer Zeit, die immer weiter ins Zeitgeschehen vorrücken.

Erzählt wird die Geschichte aus Benjamins Perspektive, dem mittleren der drei Brüder. Die Erzählweise insgesamt ist wohl eher etwas ungewöhnlich, aber man findet sich schnell und gut hinein. Man wird im Laufe der Geschichte immer neugieriger darauf, was sich vor vielen Jahren tatsächlich zugetragen hat. Bis zum Ende hatte ich absolut keine Ahnung, welche tragischen Ereignisse hinter all dem stecken.

Die Atmosphäre in diesem Buch ist überwiegend bedrückend und beklemmend. Ich war oft fassungslos und sprachlos, aber auch richtig wütend. Ich konnte die Eltern meistens in ihrer Art und ihrem Verhalten überhaupt nicht verstehen. Immer wieder saß ich aufgrund ihres völlig gleichgültigen und lieblosen Verhaltens einfach nur kopfschüttelnd hier und musste das Gelesene erst einmal verarbeiten. Für mich als dreifache Mutter war das stellenweise unerträglich. Dieses Verhalten wirkt sich natürlich auch auf die drei Jungen aus, die immer wieder um Aufmerksamkeit und Liebe kämpfen. Dabei kommt es auch immer wieder zu ziemlich gewalttätigen Szenen.

Erst ganz am Ende erfährt man als Leser*in die wahren Hintergründe. Damit wird einiges in ein ganz anderes Licht gerückt und es kommt eine Art Verständnis auf.

Der Schreibstil ist dabei recht detailliert und bildhaft. Es gibt einige tolle Skizzierungen der rauen Landschaft, aber genauso werden eben auch unschöne Szenen regelrecht seziert. Das sorgt für ein intensives, sehr emotionales Erleben der Geschichte. Das völlig unerwartete, überraschende Ende hat mich regelrecht erschüttert, aber auch irgendwie in gewisser Weise erleichtert… denn alles hat einen nachvollziehbaren Grund. Bei mir sind dann auch Tränen geflossen.

Und letztendlich macht nun auch der Titel, der mich anfangs schon ein wenig verwirrt hat, einen Sinn.

Fazit

Dieses Buch hat mich stark beeindruckt. Es ist absolut lesenswert, aber definitiv keine leichte Kost. Trotz der schwierigen Thematik ist dieser Debütroman ein absolutes Lesehighlight für mich und ich empfehle ihn sehr gerne weiter, man muss sich allerdings auch darauf einlassen können. Ich habe eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter mir und das Gelesene wird sicher noch lange in mir nachhallen. Ich bin beeindruckt vom Schreibstil und Einfühlungsvermögen des Autors und hoffe, in Zukunft noch mehr solcher Bücher von ihm lesen zu können.

Bewertung

5 von 5 Büchern

Buch

ISBN: 978-3423282932

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