Die im Dunkeln sieht man nicht von Andreas Götz

Eher Milieu-Studie statt Krimi

Buchcover Die im Dunkeln sieht man nicht von Andreas Götz

Die im Dunkeln sieht man nicht

Inhalt

Der Schriftsteller Karl Wieners hat im Krieg alles verloren. Im Frühjahr 1950 kehrt er daher zurück in seine Heimatstadt München. Er hat dort ein Angebot bekommen, als Journalist zu arbeiten. Eine Chance für ihn, sich ein neues Leben aufzubauen. Er bekommt den Auftrag, zu recherchieren, was aus dem geraubten Kunstschatz wurde, der bei Kriegsende aus dem Führerbau spurlos verschwunden ist. Unterstützung bekommt er dabei durch seine unerschrockene, lebenshungrige Nichte Magda. Doch schnell geraten sie in ein undurchdringliches Dickicht aus Täuschung, Lügen und Verrat. Wird es sie verschlingen oder gibt es sie wieder frei?

Meine Meinung

Die Inhaltsangabe und eine Leseprobe haben mich auf Anhieb begeistern können und so habe ich mit großer Vorfreude mit der Lektüre begonnen. Die ersten Seiten haben meine Erwartungen auch erfüllen können.

Es gibt zahlreiche Akteure, die sehr interessant angelegt sind und die offensichtlich das ein oder andere Geheimnis verbergen. Die Geschichte wird aus genauso vielen Perspektiven erzählt, die in rascher Folge wechseln. Das erfordert ein sehr aufmerksames Lesen, da die Übergänge fast immer fließend sind und damit nicht auf den ersten Blick erkennbar. Das an den Anfang des Buches gestellte Personenregister ist dabei oft sehr hilfreich, um nicht den Überblick zu verlieren.

Leider stellte sich dann schon recht schnell eine gewisse Langatmigkeit in der Geschichte ein. Ich hatte das Gefühl, es geht überhaupt nicht vorwärts und die Protagonisten treten auf der Stelle bzw. drehen sich im Kreis. Dafür entwickelten sich bei mir immer mehr Fragezeichen nach dem Sinn des Ganzen. An dieser Stelle hatte der Roman für mich auch absolut nichts mehr mit einem Krimi zu tun, als der dieses Buch ja eingestuft ist. Es handelt sich eher um eine Milieu-Studie, die allerdings gut getroffen ist. Ich habe eine recht gute Vorstellung davon bekommen können, wie es in München im Jahr 1950 zugegangen ist.

Zum Ende hin wurde die Geschichte dann zum Glück wieder etwas spannender und es passierte endlich etwas. Einige lose Fäden in dem Knäuel der Verwicklungen wurden aufgerollt und die Zusammenhänge sichtbarer. Allerdings bleiben bis zum Schluss auch Dinge ungeklärt bzw. nicht richtig nachvollziehbar. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass der Autor über eine Fortsetzung nachdenkt?

Ferner gibt es in dem Buch einige Szenen, die in meinen Augen völlig überflüssig erscheinen und bei denen ich mich gefragt habe, was das soll. Es handelt sich hierbei insbesondere um zwei Sex-Szenen, die weder die Handlung vorwärts bringen, noch zum näheren Verständnis beitragen. Eher das Gegenteil ist der Fall, d.h. sie tun dem Buch überhaupt nicht gut und passen nicht hierher. Eine der Szenen setzt den Kommissar Ludwig Gruber in ein extrem negatives Licht, was er meines Erachtens nicht verdient hat.

Die einzelnen Charaktere als solches bleiben allesamt irgendwie undurchsichtig und waren für mich nicht greifbar. Keine einzige Figur war mir wirklich sympathisch. Vielleicht liegt das an der Vielzahl der auftretenden Personen, so dass letztendlich nicht genug Raum für den Einzelnen bleibt.

Zum Schluss möchte ich noch eine Anmerkung zum Titel machen. Ich finde die Wahl nicht besonders glücklich, da es bereits ein Buch von Johannes Mario Simmel mit demselben Titel gibt, sowie noch ein weiteres Werk mit anderer Thematik. Ich denke, hier hätte sich sicher etwas anderes, eigenständiges finden lassen.

Fazit

Eine abschließende Bewertung fällt mir diesmal nicht leicht, da das Buch an sich nicht schlecht ist, mich aber auch nicht überzeugen konnte. Es lässt mich zwiespältig zurück. Die Idee zu der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, von der Umsetzung war ich jedoch in weiten Teilen enttäuscht und meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Schade, denn ich denke, dass hier im Grunde sehr viel Potential gesteckt hätte.

Bewertung

3 von 5 Büchern

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