Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod von Gerhard Jäger

Dramatische Ereignisse in archaischer Bergwelt sprachgewaltig erzählt

Buchcover Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod von Gerhard Jäger

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Inhalt

Diese sprachgewaltige, beeindruckende Geschichte wird abwechselnd auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt.

John Miller lebt schon sehr lange in Amerika. Im Jahr 2006, im Alter von 80 Jahren, will er noch einmal in seine Heimat nach Österreich fliegen. Es gibt noch etwas, was er dort dringend erledigen muss. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Nachforschungen über den Anfang der 1950er Jahre verschollenen Historiker Max Schreiber anzustellen. Im Landesarchiv von Innsbruck gibt es noch ein Manuskript des Vermissten, das Aufschluss über sein Verschwinden bringen könnte. Warum genau der alte Herr unbedingt auf diese Spurensuche gehen will und was ihn dazu antreibt bleibt zunächst im Dunkeln. Doch dem aufmerksamen Leser werden die winzigen, versteckten Hinweise und Andeutungen sicher nicht entgehen. Dieser Teil der Geschichte ist in Ich-Form aus der Perspektive des betagten Mannes geschrieben, der auch immer wieder seine Erinnerungen an seine bereits vor 12 Jahren verstorbene Frau Revue passieren lässt.

Der zweite, deutlich umfangreichere Teil umfasst den Inhalt des erwähnten Manuskripts. Max Schreiber schildert darin seine Erlebnisse. Er benutzt dabei allerdings die 3.Person Singular und nimmt dadurch die Position eines außen stehenden Beobachters ein. Man erlebt mit, wie und warum Schreiber im Herbst des Jahres 1950 in einem kleinen, sehr abgelegenen Dorf in den Bergen ankommt. Die Menschen dort leben in eher einfachen Verhältnissen, betrachten alle Großstädter mit Skepsis und sind geprägt von Traditionen, aber auch von Aberglauben. So erfahren wir von der anfänglichen Ablehnung, dem Misstrauen und dem Argwohn der Dorfbewohner gegenüber diesem neugierigen Historiker, genauso wie sich ganz allmählich, in winzig kleinen Schritten eine Wandlung in Akzeptanz vollzieht. Nach einem Unglück werden diese mühsamen Fortschritte dann jedoch sehr schnell wieder zunichte gemacht. Ebenso ist der Leser Zeuge der kurzen und zaghaften Begegnungen zwischen Schreiber und der stummen Maria und sieht dabei zu, wie sich daraus Liebe entwickelt. Aber man erkennt auch, genau wie Schreiber, dass dieser nicht der einzige ist, der großes Interesse an Maria zeigt. Das ganze Drama, das aus dieser Konstellation entsteht, wird von den einerseits faszinierenden, andererseits aber nicht minder schrecklichen und zerstörerischen Naturgewalten des Winters 1950/51 beherrscht.

Meine Meinung

Der Autor bedient sich einer unglaublich intensiven, ausdrucksstarken Sprache. Der Leser wird davon beinahe so überrollt, wie das Dorf von den Lawinen. Er fängt die vorherrschende düstere und beklemmende Atmosphäre eindringlich ein, so dass sie regelrecht auf die Leser überspringt. Es stellt sich schnell der Eindruck ein, hautnah dabei zu sein. Zum einen hatte ich des Öfteren das starke Bedürfnis, dieser erdrückenden Stimmung zu entkommen und wollte das Buch aus der Hand legen. Zum anderen war ich aber von dieser Intensität genauso gefesselt und gebannt und konnte mich doch nicht von der Lektüre trennen. Das war für mich ein vollkommen neuartiges Leseerlebnis.

Der Sprachstil ist zwar zum Teil zunächst recht gewöhnungsbedürftig, denn mit seinen mitunter sehr langen Sätzen wirkt er anfangs oft sperrig und ist nicht immer leicht zu lesen. Aber wenn man sich jedoch eingelesen hat, entwickelt sich ein Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte.

Die einzelnen Charaktere und das Leben in diesem archaisch anmutenden Dorf konnte ich mir sehr gut vorstellen. Die Handlung als solches blieb für mich auf ihre Art und Weise bis zur letzten Seite spannend.

Das in grau-weiß Tönen gehaltene Cover mit der einsamen, schattenhaft wirkenden Gestalt passt perfekt zum Buch und gibt schon eine kleine Ahnung der vorherrschenden Stimmung. Der Titel ist ebenfalls gut gewählt, denn er beinhaltet die zentralen Themen des Romans, allerdings fehlt hier meines Erachtens noch „Die Liebe“, die ja Auslöser des ganzen Dramas ist.

Fazit

Ich habe das Buch nach Startschwierigkeiten genossen. Aber man muss sich sowohl auf diesen eher ungewöhnlichen Sprachstil als auch auf die größtenteils bedrückende Grundstimmung einlassen können. Es ist wohl ein wenig Konzentration und Durchhaltevermögen notwendig, aber es hat sich gelohnt und ich empfehle das Buch gerne weiter.

Bewertung

4 von 5 Büchern

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